St. Johannis Göttingen

Aufbruch! – Die Rats- und Marktkirche St. Johannis auf neuen Wegen

Nach der Turmrenovierung im Jahr 2005 folgt die Sanierung des Innenraumes der Göttinger Rats- und Marktkirche St. Johannis.
Dabei geht es neben der notwendigen Instandsetzung und Modernisierung auch um ein neues Konzept: Mit dem Ziel einer „Öffnung der Kirche“ soll im Rahmen der geplanten Renovierung ein neues, weitreichendes Angebot im Herzen der Göttinger Innenstadt entstehen. Eine Aktualisierung und Neuinterpretation des historischen Titels „Rats- und Marktkirche“ profiliert St. Johannis als „Göttingens Bürgerkirche“ mit vielfältigen Möglichkeiten und Angeboten.

Fünfzig Jahre sind es her, dass die St. Johanniskirche im Innenraum zuletzt grundlegend saniert und neugestaltet wurde. Auch die nun anstehenden Neugestaltungen müssen ein hohes Maß an Nachhaltigkeit aufweisen. Alle, die an der Planung beteiligt sind, wissen um diese hohe Verantwortung. Dementsprechend vorausschauend muss das Nutzungskonzept und die sich daraus ergebende ästhetische und funktionale Gestaltung geplant werden.

Die Begeisterung für die neuen Möglichkeiten, die dadurch sowohl für die Gemeinde als auch für den Kirchenkreis und die Göttinger Gesellschaft geschaffen werden, motiviert viele Menschen seit geraumer Zeit. In einem breiten Netzwerk, angefangen mit den Kirchenvorstehern, über die Mitglieder des Bauausschusses bis hin zum „Kuratorium Innensanierung St. Johannis“ und dem Verein "Aufbruch St. Johannis", engagieren sich zahlreiche Menschen für die Entwicklung einer neuen Konzeption und die Planung von Details. Dabei hat sich ein Leitbild herauskristallisiert, das auf drei Säulen aufgebaut ist:

Die Göttinger Johanniskirche und ihre ...

1. Geistlich-christliche Prägung

2. Kultur

3. Gastlichkeit



1. Geistlich-christliche Prägung

Kirchen sind Räume, die vom Glauben erzählen. Die Verkündigung des Evangeliums, die Feier von Gottesdiensten in vielfältiger Gestaltung sowie die Versammlung der Gläubigen bleibt ihr wichtigster Zweck.

Davon zeugen viele Gestaltungselemente. Die Kanzel, der Taufstein und Altar, nicht zuletzt auch das Kreuz haben nach lutherischem Verständnis keine theologisch-sakrale Bedeutung an sich. Während der gottesdienstlichen Feier gewinnen sie aber einen besonderen religiösen Stellenwert, der über die reine Funktion hinausgeht. Jenseits der unmittelbaren gottesdienstlichen Nutzung hinaus erinnern sie durch ihre herausgehobene Position und ihre künstlerische Gestaltung an die zentralen Inhalte christlichen Glaubens. Ihre Ausdruckskraft lädt dazu ein, näher zu treten und genau hinzusehen, sie bringen auf besondere Weise das Evangelium ins Gespräch und dienen so der Auseinandersetzung mit dem Glauben.

Die Schlichtheit und erhabene Schönheit des gotischen Kirchenraumes wollen wir neu herausarbeiten. Die neue Gestaltung wird inmitten des Trubels der Stadt einen Raum bieten für Stille, geistliche Einkehr, Gebet oder Meditation. Dieser spirituelle Raum soll für die Bürger und Besucher unserer Stadt täglich geöffnet sein.

Wir wollen aber auch Zielgruppen, die bisher nicht zu den Besuchern der Kirche gehören, für die christlichen Inhalte der Kirche interessieren. So, wie St. Johannis ihre Lage im Herzen der Stadt hat, soll auch die Botschaft der Kirche wieder an Bedeutung in den Herzen der Menschen gewinnen.

Durch die Verbindung von Anteilen der Pfarrstelle an St. Johannis mit der ESG (Evangelische Studierenden- und Hochschulgemeinde) bietet sich zudem die Möglichkeit, mit Universität und studierenden jungen Menschen in Göttingen eine engere Verbindung herzustellen und die Kirche so zusätzlich zu bereichern und zu beleben.

Im Zuge der Sanierung wird die „Geistliche Säule“ durch folgende Maßnahmen gestärkt werden:

  • Neugestaltung des Altarraumes unter Einbeziehung eines Künstlerwettbewerbs mit dem Ziel der Neuanschaffung der sog. Hauptstücke (Altar mit Kreuz, Kanzel, Lesepult und Taufbecken). Der Altar soll möglichst mobil ausgeführt werden, damit der zurzeit sehr große Abstand zwischen Liturg und Gemeinde überwunden wird und der Altarraum für Großkonzerte und andere kulturelle Veranstaltungen flexibler genutzt werden kann.
  • Neugestaltung des Hauptschiffes
  • Verbesserung des Raumeindrucks durch Entfernung der Windfänge und Neugestaltung der Emporen
  • Einbau eines zur Gesamtarchitektur passenden Fußbodens
  • Farbliche Neufassung des gesamten Kirchenraumes in hellen, angenehm warmen Farbtönen
  • Ersetzen der Bänke durch flexibles, aber zur Raumgestaltung passendes Gestühl
  • Komplettsanierung der elektrischen Anlage
  • Neues Beleuchtungssystem, das sowohl entsprechende Stimmungen erzeugen kann als auch konkrete Verbesserungen beim Lesen bzw. Singen aus Gesangbüchern sicherstellt
  • Grundsanierung der Heizungsanlage
  • Neue Beschallungsanlage
  • Schaffung von Rückzugsbereichen („Oase der Stille") für Meditation, Stille und Gebet
  • Einrichtung einer Kinderspielecke
  • Einbau von Sanitär- und Versorgungsräumen unter der Orgelempore


2. Kultur

St. Johannis soll zukünftig wieder zu einem der schönsten und vielseitigsten Veranstaltungsräume Göttingens werden und ein großes und variables Platzangebot vorhalten.

Im Mittelpunkt wird dabei die eigene Kirchenmusik stehen. Zusätzlich bietet sich die Johanniskirche dann auch für andere kulturelle Nutzungen an, zum Beispiel durch das Göttinger Symphonieorchester, die Händelfestspiele und Theaterproduktionen. Auch anspruchsvolle moderne Genres, wie z. B. Jazzmusik, sollen in Gottesdiensten und Konzerten regelmäßig zu hören sein. Zudem wird der Raum für Ausstellungen, Lesungen und andere kulturelle Veranstaltungen optimiert werden. Dabei soll den jeweiligen Anforderungen an Akustik, Licht und Technik weitestgehend entsprochen werden.

Im Zuge der Sanierung wird die „Kulturelle Säule“ durch folgende Maßnahmen gestärkt werden:

  • Erhaltung bzw. Verbesserung der herausragenden akustischen Verhältnisse der Johanniskirche
  • Einbau professioneller Beleuchtungstechnik zur Ausleuchtung unterschiedlicher Aufführungsorte und Anlässe im Kirchenraum
  • Flexible Nutzung von Chorraum und Kirchenschiff für vielfältige Kulturveranstaltungen (Konzert, Theater etc.)
  • Stauraum für Podest-Elemente und Bühnentechnik aller Art
  • Einrichtung eines der Größe des Raumes entsprechenden Sanitärbereiches sowie weiterer Nebenräume (z. B. als Künstlergarderobe etc.)
  • Umbau der Emporen. Transparente Neugestaltung der Brüstungen, ggf. Errichtung von ansteigenden Sitzreihen
  • Einrichtung bzw. Anschaffung von geeigneter Ausstellungstechnik (Beleuchtung bzw. entsprechende Stromanschlüsse)
  • Lautsprecheranlage, ggf. auch für anspruchsvollere (Musik-)Beschallung
  • Einrichtung einer technischen Steuerungszentrale (Licht, Ton und Energiesteuerung)

3. Gastlichkeit

St. Johannis öffnet sich für die Bürger und Institutionen der Stadt. Es soll ein ständiges einladendes Angebot entstehen, das den neu gestalteten Kirchenraum möglichst vielen Menschen täglich zugänglich macht. Dies soll ein transparenter Außenbereich deutlich machen, der als neues architektonisches Element von außen sichtbar macht, was innen geschieht. Er zieht die Blicke auch abends durch eine attraktive Beleuchtung auf sich, bietet Fläche für Programmankündigungen und dient als Foyer und Bereich für Geselligkeit und Begegnung. Damit verkörpert dieser Ergänzungsraum eine neue Willkommenskultur. Er schafft gleichsam eine „Brücke“ vom öffentlichen Raum des Kirchplatzes in das Innere der Kirche. Denn St. Johannis öffnet einen attraktiven Raum auch für die Nutzung durch renommierte Institutionen und Firmen für Empfänge, thematische Foren und Tagungen. Die historische Bezeichnung als „Rats- und Marktkirche“ soll so aktualisiert und neu interpretiert werden.

Im Zuge der Sanierung wird die „Gastliche Säule“ durch folgende Maßnahmen gestärkt werden:

  • Die Errichtung eines transparenten Außenbereiches und damit zugleich die Aufwertung des Südportals als sinnenfällige Öffnung der Kirche in die Innenstadt.
  • Gewährleistung von Barrierefreiheit aller Bereiche
  • Schaffung eines flexibel abtrennbaren Bereiches zur Nutzung als Kirchencafé oder Bistro
  • Einrichtung einer Teeküche
  • Schaffung von Sanitärräumen
  • Erschließung von Lagerräumen für Tische und Bestuhlung
Die Innenrenovierung der St. Johanniskirche haben sich nicht nur der Kirchenvorstand und der Bauausschuss der Gemeinde zur Aufgabe gemacht, sondern auch das „Kuratorium Innensanierung St. Johannis". Hier haben sich interessierte Göttinger Bürgerinnen und Bürger unter dem Vorsitz des Geschäftsführers Philipp Bremer zusammengetan, um gemeinsam mit der Gemeinde die Instandsetzung und Neugestaltung voranzubringen, damit die Kirche auch als ein zentraler Ort für die Menschen im Herzen von Göttingen fungieren kann. Der im Herbst 2016 gegründete Verein "Aufbruch St. Johannis" (Vorsitz: Wilfried Bergau-Braune) wirkt am gleichen Ziel mit.

Auskunft geben gerne:

Renate Just (Vors. d. KV), Tel.: 0551-71450, E-Mail: rwjust@t-online.de
Gerhard Schridde (Pastor), Tel.: 0551-78966-11, E-Mail: gerhard.schridde@t-online.de
Friedrich Selter (Superintendent), Tel.: 0551-56069, E-Mail: friedrich.selter@evlka.de